Vertrag erzeugt kein Team
Staffing Lead Time und Voraussetzungen müssen vor dem Startversprechen sichtbar sein.
Der Kurs wechselt von Pre-Sales zu Delivery: Staffing Lead Time, Discovery, Business Decomposition, User Needs, System Requirements und erste Architekturskizze.
Staffing Lead Time und Voraussetzungen müssen vor dem Startversprechen sichtbar sein.
Customer Speech vor Requirements in Domains/Komponenten zerlegen.
ROS 2, YOLO oder LiDAR sind Kandidaten, bis Requirements sie begründen.
Needs fließen in System-/Komponentenanforderungen und zurück zu Verification Evidence.
Delivery beginnt mit Traceability vom unvollkommenen Customer Statement zum testbaren Systemmodell – nicht mit dem Coden der ersten plausiblen Idee.
Aus dem primären ukrainischen Transkript rekonstruiert. Redaktionelle Korrekturen und externe Ergänzungen sind im Material ausdrücklich markiert.
Chronologie: 22. September 2026 · sechste Veranstaltung. Primärquelle: vollständiges Transkript. Übergang: Die Pre-Sales-Phase endet; die Aufgaben der studentischen Teams verlagern sich von Vertrieb und Engagement zum Systems Engineering.
Die Vorlesung zieht eine didaktische Grenze: Solange es um Gespräche, RFI, RFQ, RFC und Angebote geht, besteht ein Lead oder eine Geschäftschance. Sobald rechtliche Dokumente und kommerzielle Ausgangsbedingungen vereinbart sind, beginnt die Kunden- beziehungsweise Projektbeziehung.
In tatsächlichen CRM-, Buchhaltungs- und Vertragsprozessen können Lead, Opportunity, Prospect, Customer und Client unterschiedlich abgegrenzt sein. Ebenso muss einen Vertrag nicht zwingend eine Führungskraft des C-Levels unterzeichnen: Die Zeichnungsberechtigung bestimmt das jeweilige Unternehmen. „Unterschriebene Vereinbarung → Kunde“ ist in diesem Kurs ein hilfreiches Lehrmodell, keine universelle rechtliche Definition.
Ein unterzeichneter Vertrag erzeugt nicht augenblicklich ein Team. Hardware-, Firmware- und Systemrollen können lange Rekrutierungs- und Einarbeitungszeiten benötigen. Vor Projektbeginn sind deshalb zu dokumentieren:
Praktischer Grundsatz: Keinen Projektstart für Montag versprechen, wenn am Donnerstag das Team noch gar nicht existiert.
Für Kontinuität sorgen am besten jene Personen, die sich bereits in der Pre-Sales-Phase mit der Problemstellung befasst haben:
Diese Rollen bilden den Kern. Anschließend wird das Team passend zum tatsächlichen Umfang erweitert.
Pre-Sales-Kernteam
↓
Vertrag
↓
bestehendes Kernteam + neu zugewiesene Fachkräfte
↓
Delivery-Team
Die Vorlesung beschreibt Situationen, in denen ein Kunde vor Vertragsabschluss einen Teil des Kontexts zurückhält oder die Pre-Sales-Aufgabe zur Bewertung der Kompetenz nutzt. Die tatsächlichen ersten Eingaben der Lieferphase können daher von der ursprünglichen Problembeschreibung abweichen.
Die richtige Reaktion ist weder gekränkt zu sein noch einen veralteten Angebotsentwurf einfach zu implementieren. Stattdessen müssen Umfang, Annahmen und Lücken neu abgestimmt werden.
Das ist ein weiterer Grund für Rückverfolgbarkeit und Änderungssteuerung.
Der Kundeninput wird in der Vorlesung absichtlich als lange, teilweise strukturierte mündliche Beschreibung gegeben. Das Systemkonzept umfasst:
Es geht nicht um die Auswahl einer bestimmten Robotermarke. Der Lehrfall zeigt, wie aus einer mündlichen Kundenbeschreibung eine technisch bearbeitbare Struktur abgeleitet wird.
Ein Business- oder Systemanalyst sollte nicht sofort beginnen, „Anforderungen zu erfinden“. Zunächst ist die Eingabe in logische Domänen und Komponenten zu zerlegen.
Beispiel für die in der Vorlesung entwickelte Zerlegung:
Kundenaussage
↓
1. Roboterarm 2. Endeffektor 3. Sensorik / Bildverarbeitung 4. Steuerung 5. Kommunikation 6. Funktionale Sicherheit 7. Prüfung / Berichterstattung / Cloud
So entsteht eine Karte, auf deren Grundlage Fragen gestellt und Informationslücken sichtbar gemacht werden können.
Nach der Zerlegung führt die Vorlesung User Stories ein, die das System aus Sicht eines Akteurs oder einer Rolle beschreiben.
Eine übliche Form lautet:
Als <Rolle> möchte ich <Fähigkeit>, damit <Nutzen / Ergebnis> entsteht.
Ein Beispiel nahe der Vorlesung:
Als Bediener möchte ich das benötigte Werkzeug des Endeffektors auswählen und aktivieren, damit der Roboter verschiedene Objekttypen ohne manuelle Umrüstung handhaben kann.
Im Transkript wird gelegentlich eine Komponente oder ein Steuerungssubsystem als „Benutzer“ beschrieben. Zur Modellierung von Interaktionen kann das hilfreich sein. Im klassischen agilen Verständnis erfasst eine User Story jedoch üblicherweise die Bedürfnisse eines Akteurs oder Stakeholders. Komponentenverhalten wird später in System-, Software-, Hardware- oder Schnittstellenanforderungen präzisiert.
Der Kurs entwickelt folgende Rückverfolgbarkeitskette:
Kundenbedarf / mündliche Aussage
↓
geschäftliche Zerlegung
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User Stories / Stakeholder-Bedürfnisse
↓
Systemanforderungen
↓
Hardware- / Software- / Firmware- / Mechanik- / Schnittstellenanforderungen
↓
Architektur / Komponentenbeschreibung
↓
Implementierung
↓
Verifikation und Validierung
Dies ist die zentrale Engineering-Idee der Veranstaltung: Jede untergeordnete Ebene muss erklären, welche übergeordnete Anforderung sie erfüllt.
Die Vorlesung legt mehrere wichtige Regeln fest, die erhalten bleiben müssen.
Eine Anforderung beschreibt genau einen verifizierbaren Bedarf, statt mehrere voneinander unabhängige Bedingungen in einem langen Satz zu bündeln.
Wörter wie „ausreichend“, „schnell“, „bequem“ oder „zuverlässig“ sind ohne Quantifizierung oder Abnahmekriterium zu vermeiden.
Es muss klar sein, wie die Erfüllung einer Anforderung nachgewiesen werden kann.
Jede Anforderung benötigt eine Kennung, Versions- beziehungsweise Änderungshistorie sowie einen Bezug zur übergeordneten Anforderung und zum Verifikationsnachweis.
Die Gesamtheit der Anforderungen darf keine versteckten Widersprüche enthalten.
Schwache Formulierung:
Der Roboter muss das Werkzeug sehr genau positionieren.
Bessere Formulierung:
SYS-POS-001: Der Roboter muss den aktiven Werkzeugmittelpunkt unter der definierten Prüflast mit einer Abweichung von höchstens ±0,2 mm von der befohlenen kartesischen Position positionieren.
Prüfbedingungen, Bezugskoordinatensystem und Messverfahren müssen noch festgelegt werden. Gerade diese Präzisierungen machen die Anforderung professionell einsetzbar.
Die Vorlesung trennt zu Recht folgende Ebenen:
Beschreibt Verhalten oder Eigenschaften des Gesamtsystems oder das Zusammenwirken wesentlicher Komponenten.
Ordnet einen Teil des Systemverhaltens einer bestimmten Ingenieurdisziplin oder Komponente zu.
Beispiel:
SYS-COM-001: Robotersteuerung und Endeffektorsteuerung müssen Befehls- und Statusdaten über das definierte Systemnetz austauschen.
↓
Zuordnung zu HW-COM-..., SW-COM-... und IF-COM-...
Der Lehrfall nennt ROS 2, YOLO, Kamera, LiDAR und RADAR als mögliche Lösungsbestandteile. Sie dürfen nicht allein deshalb zu Anforderungen werden, weil sie in Discovery-Gesprächen erwähnt wurden.
Dies ist eine Kerndisziplin des Requirements Engineerings: Bedarf nicht mit einer vorschnell gewählten Lösung verwechseln.
Sobald Systemanforderungen und wesentliche Komponenten erkennbar werden, kann eine erste Topologie oder Architekturdarstellung entstehen.
Das didaktische Fallschema:
Übergeordneter Testrechner → Berichte / Speicherung und Vision / Wahrnehmung → Systemnetz → Robotersteuerung + Endeffektorsteuerung → Roboterarm + Werkzeugrotation / Greifer / Magnet / Kontaktmatrix → mechanische Kopplung
Es handelt sich noch nicht um eine Detailarchitektur. Die Skizze soll vielmehr Lücken offenlegen: Schnittstellen, Verantwortlichkeiten, Versorgung, Zeitverhalten, Sicherheitsgrenzen, Datenflüsse und mechanische Kopplung.
In der Vorlesung führen Anforderungen zur Implementierung und anschließend zurück zur Verifikation.
Bedürfnisse ↔ Validierung; Systemanforderungen ↔ Systemtest; Komponentenanforderungen ↔ Integrationstest; Entwurf / Architektur ↔ Komponentenprüfung; Implementierung am unteren Verbindungspunkt.
Entscheidend ist, dass der Testnachweis zu der Ebene gehört, auf der die betreffende Anforderung verifiziert werden soll.
Am Ende wird das erste umfangreichere Praxisszenario definiert. Die Teams sollen wie kleine Dienstleistungsunternehmen handeln.
In der nächsten Phase sollen sie:
Damit prüft der erste Leistungsnachweis nicht ein isoliertes Thema, sondern den gesamten seit dem 1. September behandelten Weg.
Die Hausaufgabe weist bereits die nächste Richtung: Teams stellen ihre „Firmen“ vor, führen ein Erstgespräch, vereinbaren einen Folgetermin und dokumentieren Discovery-Fragen. Erwartete Ergebnisse sind Unternehmens-One-Pager, Rollenkarte, Kontaktkarte oder QR-Code, zwei bis drei Fallstudien oder Kompetenznachweise und eine Frageliste für den Lead.
Nach der Simulation des Lead-Prozesses folgt logisch ein konkreter Kundenfall: RFI oder Problembeschreibung erhalten und beantworten, Annahmen und offene Fragen bestimmen, ein Grobangebot ausarbeiten und die erste Rückverfolgbarkeitskette von Bedarf über System- bis zu zugeordneten Komponentenanforderungen erstellen.
Wichtig: Das ist eine Prognose, keine eingefrorene Behauptung über den tatsächlichen weiteren Verlauf. Wenn eine neue Aufzeichnung vorliegt, wird die wirkliche Veranstaltung als neuer Inhalt hinzugefügt. Die Prognose wird nicht nachträglich umgeschrieben.